überraschend vegan

Wer sich gegenüber anderen Personen als Veganer*in “outet”, der/die kann damit meist überraschen. Zunächst ist das Erstaunen groß, “was? vegan? also auch keine Milch und keine Eier?”. Dieses Statement wird dann erst einmal staunend zur Kenntnis genommen.

Anschließend kommen dann meist Sätze wie: “Ich könnte das ja nicht. Das wäre mir zu anstrengend. Ich esse einfach zu gerne Käse.”

Ich kann diese Bemerkungen nur zu gut verstehen. Schließlich hatte ich vor einer Weile auch noch diese Einstellung. Auf Käse verzichten? Das war noch vor einiger Zeit für mich kaum vorstellbar.

Dabei wusste ich sehr wohl, dass es nicht “natürlich” ist, die Milch eines anderen Säugetiers zu trinken. Und mir war auch klar, dass es nicht normal sein kann, dass Kühe für die Milchproduktion quasi dauerhaft schwanger sind und ihre Kälber nie großziehen, geschweige denn auch nur kurz erleben dürfen.

Sicherlich kann man sich dann sagen, dass es so nun einmal ist und man ja doch nichts daran ändern könne. Aber dieses Argument verlor seine Wirkung, je mehr ich mich mit dem Thema befasste. Mir geht es gar nicht darum, die Welt zu verbessern, wenn ich auf Milchprodukte verzichte. Aber ich möchte mir selber als Mensch, als fühlendes und denkendes Wesen, als jemand, der Zusammenhänge erkennen kann und Entscheidungen treffen kann, in die Augen sehen können. Ich möchte meine durchaus liebgewonnene Gewohnheit, Käse zu essen, nicht über das Schicksal von anderen Lebewesen stellen. Mein Genuss ist nicht wichtiger als das Leben eines Kälbchens!

Leider führen sich das die Wenigsten vor Augen. Die gesamte Milch- und Fleischindustrie wird dem Konsumenten gegenüber verniedlicht und verharmlost. Lustige Kuhbilder auf Milch-LKW, fröhliche Schweine, die auf Fleischtransportern abgebildet sind – gerne lässt so mancher sich dadurch einreden, dass das schon alles gar nicht so schlimm sein wird.

Aber an dieser Stelle möchte ich mündiger und differenziert denkender Mensch sein. Ich entscheide, dass ich mich nicht von geld- und machthungrigen Konzernen veralbern lasse, sondern nehme mir das Recht heraus, Dinge zu hinterfragen und Entscheidungen zu treffen.

Gerne überrasche ich Menschen damit, dass ich mich vegan ernähre. Und nein, ich bin darin ganz und gar nicht perfekt. Aber ich versuche, gut darin zu sein. Für die Tiere, für unsere Umwelt, für meine Gesundheit und für mein Karma.